Ihr habt bestimmt mitbekommen, dass letzte Woche eine Germanwingsmaschine über den französischen Alpen abgestürzt ist, oder? Ich muss ehrlich gestehen, dass ich bestürzt war, aber, zugegeben, nicht so sehr. Seit gestern ist es anders. Von einer besten Freundin habe ich erfahren, dass der Pilot in unserer Stufe war, mit uns Abi gemacht hat und ich ihn schon seit dem Kindergarten kannte. Das Gefühl ist komisch…unbeschreiblich…Keine Trauer, keine Fassungslosigkeit, keine Angst. Einfach nur komisch. Kennt Ihr das? Es wundert mich, dass ich darüber nachdenke, und das mir Dinge einfallen, die über Jahre im hintersten Winkel meines Gehirns versteckt waren. Zu unwichtig, um sie von Zeit zu Zeit hervorzukramen, aber doch sicher verstaut. Gestern sind sie etwas verstaubt ans Licht getreten. Wer jetzt hochbrisante Sachen erwartet, der sollte jetzt lieber aufhören, bevor die Enttäuschung zu groß wird.

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie wir zusammen mit meiner damaligen Freundin Nina und einem anderen Jungen auf dem neuen Kletterhaus im Kindergarten gesessen haben. Ganz oben. Und die Jungs sind runtergesprungen (damals fand ich das echt mutig, aber ich war schon immer ein Schisser) und P. hat mir erzählt, dass er mal Flugzeuge fliegen wird. Recht hatte er und obwohl wir nach einer gemeinsamen Zeit in Kindergarten und Grundschule noch im Gymnasium in einer Klasse waren, hatten wir nicht mehr viel miteinander zu tun. Wir waren nie befreundet, sind uns aus dem Weg gegangen, aber es gibt ein, zwei Situationen, die mir jetzt wieder einfallen. Ich weiß z.B., wer seine 1. große Liebe war, dass wir einmal schnell zur Schule mussten, weil der Bus mal wieder Verspätung hatte und der Busfahrer, weil nur wir beide im Bus waren, eine Abkürzung gefahren ist. Ich weiß auch noch, dass er den Wettbewerb geliebt hat. Sei es, dass es ihn sehr mitgenommen hat, dass unsere Kunstlehrerin ihm nur eine drei für seine (zugegeben ziemlich authentisch aussehende) Fliege aus diversen Materialien gegeben hat und andere bessere Noten hatten. Oder, dass er sich mit einem Freund darin messen wollte, ob die beiden es schaffen, an einer Haltestelle aus dem Bus auszusteigen (Altenbrückstraße in Düsseldorf), um den Bus an einer anderen Haltestelle (Deutzer Straße), eine Abkürzung joggend, wieder einzuholen. Ich konnte besonders letzteres nie verstehen. Aber ich finde es großartig, dass er seinen Traum vom Fliegen gelebt hat. Dass er es nach dem Abi mit eisernem Willen geschafft hat, so viel Gewicht zu verlieren, dass sie ihn überhaupt zur Ausbildung zugelassen haben. Ich finde es schön zu wissen, dass er eine Familie hatte, sogar Vater war, auch wenn ich mir das nicht so richtig vorstellen kann (das ist aber nur Stand nach dem Abi und das ist auch schon 16 Jahre her). Auch wenn ich ihn gegen Ende der Schulzeit noch nicht einmal gut leiden konnte, macht mich sein Tod nachdenklich und auch irgendwie traurig.

An meiner alten Schule findet jedes Jahr ein Ehemaligentreffen statt. Klar, dass nie alle Stufenkollegen da sind. Irgendeiner hat immer gefehlt. Das war ok, denn immer konnte ein anderer berichten, was die fehlende Person so treibt. Es ist glaube ich allen klar, dass irgendwann die Zeit hier auf Erden abgelaufen ist… Aber mit 34? Das ist bitter! Unvorstellbar…

R.I.P. und mein herzlichstes Beileid an die Familie!

Irgendwie musste das mal raus…

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